Overbeck

Overbeck - Nr 01

 

Friedrich Overbeck (Lübeck 1789 - 1869 Rom) - Kopf des toten Heiligen Bernardin von Siena.


Detailzeichnung nach dem um 1485 entstandenen Fresko Pinturicchios. Bleistiftzeichnung nach 1810.
Verso von fremder Hand bezeichnet: "Overbeck". Auf Vélin. Größe: 22,3 x 29,8 cm.


Provenienz: Sammlung Prinz Johann Georg, Herzog von Sachsen (Lugt 1162 c) mit der Inventarnummer "S. I. No. 3542".

Ab 1810 studierte Overbeck an der Wiener Akademie, opponierte jedoch bald gegen den Lehrbetrieb und gründete zusammen mit Franz Pforr, Joseph Sutter und anderen Künstlern den "Lukasbund". Ab 1810 in Rom ansässig, konvertierte er 1813 zum katholischen Glauben und demonstrierte damit auch äußerlich die Hinwendung zu der Religion, welcher seine Darstellungen fast ausschließlich galten. Es war neben dem frühen Raffael vor allem die Kunst des Pinturicchio, die Overbeck besonders schätzte. In einem Brief aus Rom an den Vater schreibt er 1810 angesichts der Werke des Pinturicchio: "Ach was ist das für eine Einfalt mit der diese Männer gearbeitet haben, und dabey sind ihre Werke so vollendet, dass sie nicht von Menschen gemalt sondern erschaffen zu seyn scheinen."


¹ Das vorliegende Blatt zeigt eine Zeichnung nach den Fresken zum Leben und Tod des Hl. Bernardin von Siena in Santa Maria in Aracoeli in Rom. Pinturicchio führte die Fresken in der Cappella Bufalini, die zu den bedeutendsten Werken des Umbriers gehören, um 1485 aus. Der Tod des Heiligen ist in eine vielfigurige Szene mit großer Architekturlandschaft eingefügt. Die Nachzeichnung konzentriert sich allerdings nur auf den Kopf des Toten, der aufgebahrt ist und von seinen Brüdern betrauert wird. Das Antlitz mit den halb geschlossenen Augen gibt der Künstler mit feinteiligem präzisen Strich wieder, Nimbus und Habit sind dagegen nur angedeutet. Die Präzision der Zeichnung lässt es zu, sie vorsichtig Overbeck zuzuordnen, damit der Bezeichnung verso folgend. Die Cappella Bufalini war "Pilgerort" der Nazarener und der Kopf des Toten zum immer wieder dargestellten Gegenstand.

¹ Nachlass Overbeck, V,1; Stadtbibliothek der Hansestadt Lübeck, Brief an den Vater, 18. August 1810.

 

Overbeck - Nr 02

 

Friedrich Overbeck (Lübeck 1789 - 1869 Rom) - Anbetung der Könige.


Bleistiftzeichnung mit Einfassungslinie um 1811/12.


Duke of Saxony Blühm, Andreas und Gerhard Gerkens (Hrsg.): Johann Friedrich Overbeck, Lübeck 1989, Nr. 79 mit Abb. S. 195. Frau Brigitte Heise schrieb zu diesem Blatt im Mai 2008: "Das vorliegende Motiv stammt aus der frühen römischen Zeit Overbecks und ist eine Variante von der im Kupferstichkabinett der Museen für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck unter der Inventar-Nummer 1948/12 befindlichen lavierten Feder- und Pinselzeichnung.

 

Die Komposition ist identisch; im Detail sind jedoch Unterschiede sichtbar: die Quadrierung der Mauer ist zugunsten einer ruhigen Fläche aufgegeben, es fehlt die Aura des Sterns. Die vorliegende Zeichnung ist stärker auf den Umriss konzentriert und durch den Wegfall der malerischen und modellierenden Wirkung der Lavierung wirkt sie flächiger und mit geringerer Tiefenwirkung. Denkbar ist eine Entstehung vor der Umsetzung in das Gemälde, da die Struktur der Zeichnung, die im Format nur geringfügig von der ersten Fassung abweicht, stärker "kartonähnliche" Züge aufweist. Das Gemälde für die Königin Caroline von Bayern stellt die Szene seitenverkehrt dar (heute Hamburger Kunsthalle)". MZ IV.

 

Overbeck - Nr 03

 

Friedrich Overbeck (Lübeck 1789 - 1869 Rom) - Maria nimmt Abschied vom Leichnam des Herrn.


Darstellung im Rund. Bleistiftzeichnung um 1839/40.


Größe: 30,8 x 30,3 cm. Darstellung: Durchmesser 30,2 cm. An den Rändern mit teils durchscheinenden Klebespuren alt auf Unterlagekarton montiert. Stellenweise stockfleckig.

Provenienz: Sammlung Prinz Johann Georg, Herzog von Sachsen (Lugt 1162 c) mit der Inventarnummer "S. I. No. 3511".

Die schönlinige harmonische Zeichnung gehört zu dem reifen Stil des Künstlers. Overbeck variiert hier das Thema der Grablegung, das er in der Nachfolge Raffaels 1845 für die Marienkirche in seiner Geburtsstadt Lübeck vollendete, und reduziert es auf die trauernde Maria, die vor dem Leichnam des Herrn sitzt. Die Komposition ist in ein gleichschenkliges Dreieck gefügt. Die Gestalt der Gottesmutter ist in die Mittelachse gesetzt, der Kopf leicht nach links außen geneigt.

 

Darunter liegen auf derselben Achse im vorderen Plan die "arma Christi". Damit entspricht die Komposition der von Thomas von Aquin geforderten "proportio", des göttlichen Maßes, das für ihn Merkmal des Schönen war. Overbeck hat nachweisbar die Schriften des Thomas von Aquin studiert und die dort geforderten Kompositionsprinzipien in seinen Arbeiten angewandt. Das Thema der Pietà hat Overbeck bereits seit 1814 beschäftigt, als er für Christian Schlosser eine Bisterzeichnung anfertigte.


1 Er greift 1839/40 das Sujet wieder auf als Frontispiz für die "Four lectures on the Office and Ceremonies of Holy Week as performed in the Papal Chapels", London 1839.


2 Die vorliegende Bleistiftzeichnung, die genau dem Kupferstich von Ludwig Brunner von 1841 entspricht, den Overbeck selbst nachgebessert hat, kann die direkte Vorlage dafür sein. Der Stich ist zusätzlich mit einem ornamentalen Rahmen versehen, dadurch wird die Form des Tondos darin nicht mehr aufgenommen.

1 Siehe hierzu Margaret Howitt, Friedrich Overbeck, Sein Leben und Schaffen, Freiburg 1886, Bd. I, S. 338. win Auktion 72, Heidelberg, 6. Mai 2006, Kat.-Nr. 585. L' Âge d'or du romantisme allemand. Ausst.-Katalog Musée de la Vie romantique, Paris 2008, Nr. 71.

2 Vgl. hierzu Stephan Seeliger in: Unter Glas und Rahmen, Druckgraphik der Romantik aus den Beständen des Landesmuseums Mainz und aus Privatbesitz. Ausstell.-Kat. Mainz/Nürnberg/Lübeck 1993/94; Nr. 42.

 

Overbeck - Nr 04

 

Friedrich Overbeck (Lübeck 1789 - 1869 Rom) - Der Fischzug Petri (recto) - Die Berufung der Jünger Petrus und Andreas oder Die Berufung von Jacobus und Johannes (verso).


2 Bleistiftzeichnungen recto und verso auf einem Blatt, teils mit doppelter Einfassungslinie um 1840.
Auf Vélin. Größe: 9 x 12,4 cm. Darstellung: 8,8 x 12,2 bzw. 10 x 9 cm. Am unteren Rand gering fleckig.

Provenienz: Sammlung Prinz Johann Georg, Herzog von Sachsen (Lugt 1162 c).

Die Zeichnung auf der Vorderseite des Blattes bereitet die Darstellung des Fischzuges Petri vor. Offensichtlich ist die Orientierung an dem Teppichkarton von Raffael: die bittenden Apostel vor der sitzenden Gestalt Christi im Schiff, der beruhigend die Hand hebt, ebenso, wenn auch links hinter Christus gesetzt, die Fischer, die das Netz ins Boot ziehen. Auch das zweite Boot ist angedeutet, aber hier vor das Schiff Christi gesetzt. Der angedeutete Ufersaum vollzieht in einem Strich nahezu die bei Raffael gegebene Raumsituation nach. Die Skizze verso stellt die Berufung von Petrus und Andreas dar. Möglich ist hier allerdings auch ein erster Entwurf der Berufung von Jacobus und Johannes, für eine Federzeichnung mit reicher Randverzierung, die Overbeck 1839 für G. Karl Springfeld, Frankfurt am Main geschaffen hat. Sie wurde von F. A. Pflugfelder in Kupfer gestochen.

 

Overbeck - Nr 05

 

Friedrich Overbeck (Lübeck 1789 - 1869 Rom) - Petri Kniefall vor Christus.


Bleistiftzeichnung um 1840.
Auf bräunlichem Vélin. Größe: 15,2 x 20 cm. Äußere Ränder gebräunt.

Provenienz: Sammlung Prinz Johann Georg, Herzog von Sachsen (Lugt 1162 c) mit der Inventarnummer "S. I. No. 40407".


Die vorliegende Entwurfsskizze gehört ebenso wie die vorhergehende Katalognummer in einen inhaltlichen Zusammenhang: die Berufung der Jünger am See Genezareth. Matthäus (18 - 20) und Markus (1, 16-19) erzählen die Geschichte der Jüngerberufung: "Als nun Jesus an dem Galiläischen Meer ging, sah er zwei Brüder, Simon, der da heißt Petrus, und Andreas, seinen Bruder, die warfen ihre Netze ins Meer; denn sie waren Fischer. Und er sprach zu ihnen: Folget mir nach, Ich will euch zu Menschenfischern machen." Lukas (5, 1-11) stellt Petrus in den Mittelpunkt und gestaltet den Fischzug Petri zu einer eigenständigen Erzählung.

 

Nachdem Christus von Simon Petrus Schiff aus zu dem am Ufer stehenden Volk gepredigt hat, fordert er diesen auf hinauszufahren, wo er so viele Fische fängt, dass die Netze zu reißen drohen und die Schiffe sinken. Da fällt Simon Petrus Christus zu Füßen: "Herr gehe von mir hinaus! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn es war ihn ein Schrecken angekommen und alle, die mit ihm waren über diesen Fischzug, den sie miteinander getan hatten." Das vorliegende Blatt zeigt den Kniefall Petri vor dem Herrn, wie Lukas ihn schildert. In den schnellen Strichen im Hintergrund sind ein Boot, die anderen Fischer und ein Bergzug angedeutet.Overbeck hat sich seit dem Ende der 30er Jahre bis in die letzte Schaffenszeit intensiv mit dem Thema der Berufung der Jünger auseinandergesetzt.

 

Die Predigt im Schiff vor dem Volk hat er im Blatt 16 der 40 Darstellungen zu den Evangelien gestaltet. Die Berufung des Petrus nimmt eine zentrale Stellung in den Kartons zur Freskierung der Kathedrale von Djakovo ein, die er in der Mitte der 60er Jahre entworfen hat. Hier zeigt vor allem die Gestalt der Christusfigur der vorhergehenden Katalognummer verso eindeutige Hinweise auf den Karton von 1867, vor allem in den Knoten des Gewandes1. So sind die drei Skizzen zwar inhaltlich verbunden, aber nicht zwangsläufig innerhalb eines Zeitraumes entstanden.

1 Vergleiche: Johann Friedrich Overbeck und die Kathedrale von Djakovo, hrsg. von Axel Feuß, Regensburg, Lübeck, Zagreb 1994/95, S. 92.

 

Overbeck - Nr 06

 

Friedrich Overbeck (Lübeck 1789 - 1869 Rom) - Die Madonna mit dem von der Passion träumenden Jesuskind und dem Johannesknaben. 


Darstellung im Rund. Bleistiftzeichnung mit doppelter Einfassungslinie vor 1846. 
Verso von fremder Hand alt bezeichnet. Auf Vélin. Größe: 9,2 x 8,9 cm. Darstellung: Durchmesser 7,2 cm. Minimal stockfleckig.

Provenienz: Sammlung Prinz Johann Georg, Herzog von Sachsen (Lugt 1162 c). 

Das Bild ist die "prima idea" für das 1856 entstandene Schweinfurter Gemälde (MGS 2849).¹ Overbeck hat mit diesem Gemälde einen eigenen Bildtypus kreiert: Das schlafende Christuskind liegt in der Haltung eines Kreuzes vor der Gottesmutter, die ein Buch in der linken Hand trägt und mit der rechten das Tuch des Kindes hält, das auf dem Gemälde das Grabtuch präfiguriert. Der Johannesknabe trägt als Attribut des Täufers das Kreuz in der Hand. Die Bildidee wurde bereits 1846 vorbereitet, in einer Kohlezeichnung für die Gräfin Monteluco als Weihnachtsgeschenk für die Schwester des Königs von Neapel.² Diese Entwurfsskizze muss also noch vor dieser Zeichnung anzusetzen sein. 

¹ Kat. Museum Georg Schäfer, Schweinfurt, hrsg. von Bruno Bushart, Matthias Eberle, Jens Christian Jensen, Schweinfurt 2000, S. 171 mit Farbabb. 

² Siehe hierzu Howitt II, S. 424.

 

Overbeck - Nr 07

 

Friedrich Overbeck (Lübeck 1789 - 1869 Rom) - Christus wird mit dem Kreuz beladen. 


Entwurf für die Folge der Kreuzwegstationen. Bleistiftzeichnung um 1850. 
Bezeichnet oben links: "2". Auf Vélin. Größe: 12,6 x 8,9 cm. Alt auf Unterlagekarton montiert.

Provenienz: Sammlung Prinz Johann Georg, Herzog von Sachsen (Lugt 1162 c).


Friedrich Overbeck begann 1850 eine Serie von Aquarellen zu den Kreuzwegstationen im Auftrag des Carlo Baldeschi und des Marchese Campana. 1857 war der Zyklus von 14 Blättern beendet. 1861 nahm er die Serie noch einmal auf, dieses Mal für den Bildhauer Carl Hoffmann zur Ausführung als Basrelief.Die Numerierung der Skizzen weist auf die zyklische Folge hin.

 

Blatt 2 entwirft den Beginn des Weges: Christus wird mit dem Kreuz beladen. Die vordere Gestalt des Schergen und die des hinteren sind in der endgültigen Formulierung wörtlich beibehalten. Die Haltung Christi wird leicht verändert, das Antlitz nun dem Betrachter zugewandt. Die Figuren im Hintergrund werden durch das entsetzte Abwenden dramatisiert und zu Reitern umgewandelt. Deutlich aber ist noch die Orientierung an der Skizze durch den Turban des vorderen Reiters. Die Folge wurde im Anschluss von B. Barloccini gestochen.

 

Overbeck - Nr 08

 

Friedrich Overbeck (Lübeck 1789 - 1869 Rom) - Christi Tod am Kreuz. 


Entwurf für die gleiche Folge der Kreuzwegstationen. Bleistiftzeichnung um 1850. 
Bezeichnet oben links: "7". Auf Vélin. Größe: 12,6 x 9,2 cm. Alt auf Unterlagekarton montiert. 

Provenienz: Sammlung Prinz Johann Georg, Herzog von Sachsen (Lugt 1162 c) mit der Inventarnummer "S. I. No. 3512". 
Das Blatt mit der Bezeichnung "7" zeigt den Tod Christi am Kreuz mit Johannes und Maria und der knienden Maria Magdalena, die das Kreuz umfasst. Diese Darstellung entspricht nicht der 7. Station der Folge der Kreuzwegstationen, auch nicht der 12. Station, die den Tod am Kreuz in einer sehr viel dramatischeren Form darstellt. Möglicherweise handelt es sich um eine verworfene Fassung, wobei die Zahl "7" nicht der Reihenfolge der Stationen entspricht.

 

Overbeck - Nr 09

 

Friedrich Overbeck (Lübeck 1789 - 1869 Rom) - Jesus übergibt das Joch. 

 

Entwurf. Bleistiftzeichnung um 1860.
Auf Vélin. Größe: 9,7 x 7,5 cm. Alt auf Unterlagekarton montiert, dort mit doppelter Einfassungslinie in Bleistift. An den Ecken aufgezogen.

Provenienz: Sammlung Prinz Johann Georg, Herzog von Sachsen (Lugt 1162 c).


Margaret Howitt erwähnt für das Jahr 1860 eine Sepiazeichnung, die nach Overbecks Tod in die Sammlung Flintsch, Berlin gelangte.


¹ Die vorliegende kleine Zeichnung ist ein für den Künstler typischer Entwurf, die "prima idea", die er in schnellem Strich niederlegte. Im Museum Georg Schäfer, Schweinfurt wird die Bleistiftzeichnung aufbewahrt (Inv.Nr. 128 A), die exakt der hier vorbereiteten Darstellung entspricht und wohl aus der Sammlung Flintsch stammt. Eine weitere Darstellung befindet sich in der Kunsthalle Karlsruhe (Inv.Nr. 713). Im Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck liegt eine quadrierte Pause (Inv.Nr. AB 435), der genau die hier entworfene Komposition und das Schweinfurter Blatt zugrunde liegt.

 

Die Personengruppe steht erhöht auf Stufen unter einer Rundbogenarchitektur, hinter der sich eine Landschaft öffnet. Links erhebt sich ein Tempel auf einem bebauten Hügel, der sich in ein Tal hinabsenkt. Architektur und Landschaft sind in der finalen Zeichnung und der Pause exakt ausgeführt, im Entwurf nur schwach angedeutet. Die Darstellung geht zurück auf Matthäus (11, 28-30): "Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

 

Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht." In der Entwurfszeichnung werden die männliche Figur links und die weibliche rechts, die ein Mädchen Christus zuführt, nicht mit dem Nimbus dargestellt. Die endgültige Fassung fügt beiden den Heiligenschein zu und weist sie damit als Maria und Johannes aus, die das sanfte Joch Christi bereits angenommen haben und in diesem Sinn als Fürsprecher der Menschen tätig sind.

¹ Siehe hierzu Howitt II, S. 430.

 

Overbeck - Nr 10

 

Friedrich Overbeck (Lübeck 1789 - 1869 Rom) - Der Evangelist Matthäus. 

 

Zwickelentwurf für das Fresko in der Kathedrale von Djakovo. Bleistiftzeichnung mit genadelter Quadratur, 1867.


Auf kräftigem Vélin. Größe: 15,3 x 10,6 cm. Aufgezogen und mit kleiner Papierfehlstelle am Oberrand.

Provenienz: Sammlung Prinz Johann Georg, Herzog von Sachsen (Lugt 1162 c).


Die Erneuerung der Freskenmalerei in der Nachfolge der Künstler des Mittelalters und der Renaissance war Ziel und Traum der Nazarener. Auch sie wollten ihre christliche Botschaft einem breiten Publikum "an die Wand schreiben". In den Viten des Giorgio Vasari, die sie eifrig studierten, wurde die hohe Bedeutung der Freskenmalerei herausgestellt. Sie entsprach der pädagogischen und missionarischen Intention der Kunst der Nazarener. Für Overbeck sollte sich der Traum, eine Kirche zu freskieren, erst kurz vor seinem Lebensende erfüllen.

 

Die Fresken für die Villa Bartholdy und die Villa Massimo, die die "Lukasbrüder" ausführten, waren private Aufträge, die letzteren vor allem waren weltlicher Natur, so dass Overbeck sich davon schließlich distanzierte. 1867 erhielt der 78jährige Overbeck seinen größten Auftrag: Bischof Josip Juraj Strossmayer beauftragte ihn mit der Freskierung des neuromanischen Domes des Architekten Carl Roesner in Djakovo/Slawonien. So erfüllte sich der größte Wunsch des Künstlers zu einem Zeitpunkt, da er eine solche Arbeit nicht mehr selbst ausführen konnte, sondern sich nur den vorbereitenden Zeichnungen, vor allen den Kartons, widmen konnte.

 

Einen ersten Plan legte Overbeck dem Bischof im Februar 1867 vor: im Kirchenschiff Szenen aus dem Alten Testament, in den Querhäusern Darstellungen aus dem Neuen Testament. Dem Schutzpatron der Kirche, dem Hl. Petrus, war die Ausschmückung der Kuppel gewidmet. In die Zwickel unterhalb des achteckigen Tambours sollten die vier Evangelisten gesetzt werden - ein Zitat, das auf St. Peter in Rom verweist. Die Skizze ist eine erste Entwurfszeichnung für den Evangelisten Matthäus. Die Darstellung folgt der üblichen Ikonographie: Er ist sitzend mit Schreibfeder und aufgeschlagenem Buch dargestellt. Hier findet sich die lateinische Inschrift des Bibelzitats aus Matthäus (1, 1): " Liber Generationem Jesu Christi Filii David".

 

Sein Attribut ist der Menschensohn mit den Leidenswerkzeugen, Dornenkrone und Nägeln. Der Entwurf erprobt hier verschiedene Armhaltungen, ohne dass die Reuelinien getilgt wurden. Der endgültige Karton, 1868 entstanden, zeigt die in der Skizze stärker betonte gesenkte Hand. Die Schrift auf dem Buchdeckel ist im Karton entfernt.


¹ Die Skizze enthält bereits in kleinem Format die Form des Kartons, das der architektonischen Situation entspricht: oben halbkreisförmig, unten sich zu einem sphärischen Dreieck schließend. Die Freskierung der Kirche wurde schließlich nach den Kartons von Overbeck von Maximilian und Ludwig Seitz, Vater und Sohn, ausgeführt.

¹ Siehe hierzu: Johann Friedrich Overbeck und die Kathedrale von Djakovo, hrsg. von Axel Feuß, Regensburg, Lübeck, Zagreb 1994/95, S. 105f.

 

Overbeck - Nr 11

 

Friedrich Overbeck (Lübeck 1789 - 1869 Rom) - St. Felippo Benizzo umgeben von jungen Mönchen. 

 

Umrisszeichnung nach dem um 1510 entstandenen Fresko von Andrea del Sarto im Chiostricino der Kapelle San Felippo Benizzo der SS Annunziata, Florenz. Bleistiftzeichnung.


Verso bezeichnet von fremder Hand: "Fr. Overbeck fec.". Auf leichtem Vélin. Größe: 26,5 x 19 cm. An den Rändern alt auf Unterlagekarton montiert. Provenienz: Sammlung Prinz Johann Georg, Herzog von Sachsen (Lugt 1162 c) mit der Inventarnummer "S. I. No. 3510". Es waren vor allem die Maler der Frührenaissance, die die Nazarener und besonders Overbeck beeindruckten. An deren schlichter Einfalt, die auf sinnliche Effekte verzichtete, wollten sie sich orientieren, um auf dieser Basis die neue, moderne Kunst zu schöpfen. Die Maler der Hochrenaissance, selbst der späte Raffael, schienen ihnen diesen Weg der Einfachheit verlassen zu haben.

 

Zu den bewunderten Malern der Hochrenaissance gehörte jedoch Andrea del Sarto, dessen Unfehlbarkeit in der Konturierung gerühmt wurde. Der Maler gestaltete in der Kirche SS. Annunziata, einer Kirche des Servitenordens, die Fresken in der Vorhalle, die das Leben des heiligen Servitenmönches Felippo Benizzo darstellen. Andrea del Sarto galt den Zeitgenossen als meisterhafter Kolorist. Für Overbeck aber war die Farbe eine eher sinnliche Zutat, die Idee der Darstellung sollte vor allem im Lineament offenbar werden. So beschränkt sich denn auch folgerichtig die vorliegende Skizze, mit der der Künstler ein Detail des Freskenzyklus wiedergegeben hat, auf den Umriss. Dargestellt ist die Szene in der Felippo Benizzo einem jungen Mädchen, das vom Dämon besessen ist, den Teufel austreibt.

 

Overbeck konzentriert sich auf die Gruppe der Mönche links, die sich dem Geschehen, das im Mittelpunkt steht, zuwendet. Sie beobachten in stiller Konzentration Filippo Benizzo, der mit ruhigem Gestus auf das junge Mädchen einwirkt, das von den Angehörigen gestützt wird. Der Künstler beschränkt sich vorwiegend auf die Kontur, nur wenige Schraffierungen deuten die Binnenstruktur der Gewänder an. Die stark schematische Wiedergabe der Gewandfalten, die auf plastische Wirkung verzichten und in leichtem Bogen oder Haken auslaufen, taucht immer wieder bei diesen Studien Overbecks auf. Die Bezeichnung verso stammt nicht von dem Künstler selbst. Häufig hat dessen Adoptivtochter Caroline Hoffmann bei der Durchsicht des Nachlasses die Blätter bezeichnet.

 

Kontakt:

Winterberg|Kunst
Hildastr. 12
69115 Heidelberg
Telefon: 06221915990 06221915990
Fax: 062219159929
E-Mail-Adresse:

Geschäftszeiten:

Mo.-Fr. :

10:00  - 17:30 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Winterberg|Kunst, Auktionen und Galerie GmbH